Camphill

Ich war in der Camphill Community Glencraig (Das liegt in Nord Irland, östliche von Belfast, direkt am Belfast Loch), kann also nur darüber berichten. Champhill ist eine „Bewegung“, die auf den Erkenntnissen Rudolph Steiners beruht. Camphill wurde während des zweiten Weltkrieg von Karl König, einem Östereichischen Doktor, und seinen Studenten in Camphill House (daher der Name) in der nähe von Aberdeen/Schottland gegründet. Inzwischen gibt es in der ganzen Welt Camphills.

Der wichtigste Punkt ist, das man mit Behinderten zusammenlebt und das ganze nicht als „Arbeit“ auffasst. Die Behinderten sollen als Menschen behandelt und respektiert werden und nicht als Kranke.

„Zusammenleben mit Behinderten“

Im Camp sind alle Arten von Behinderung anzutreffen, das reicht von „Autisten“ (Das Cliche der „guten Rechner“ ist ziemlich falsch!) bis „Down-Syndrom“. Da man sie nicht als „krank“ sehen soll wird einem aber meist nur das nötigste über die Krankheit erzählt. Mit diesen „Einwohnern“ und anderen Coworkern, sowie Hauseltern und ihren Kindern lebt man dann in einem Haus. Zusammenleben ist so gemeint, wie es heisst: Man steht morgends mit ihnen auf, isst mit ihnen und verbringt den Tag zusammen. Das ganze heisst aber auch, das man ihnen wärend des ganzen Tag hilft, diesen zu meistern. Das fängt beim Aufstehen an und hört beim Essen noch lange nicht auf.

Während des Tages sind die Kinder in einer Schule und die Erwachsenen in den Workshops (Farm, Weberei, Wäscherei, etc.). Auch hier hilft man den Einwohnern wieder oder packt selbst an. Man hat also den ganzen Tag zu tun, ganz für sich alleine ist
man fast nie: man lebt zusammen.

Das Camphill kann man sich als Dorf vorstellen, das nächste Haus war jeweils nur ein paar Schritte weg, die Workshops mitten drin verteilt. In einem Haus haben meist rund 10-15 Leute gewohnt. In meinem Fall waren wir 7 Kids, meist 5 Coworker und eine Hausmutter. Die Coworker haben meist ein bis zwei Einwohner in ihrem „Dormitory“, für die sie verantwortlich sind. Ein Coworker war meist Replacer und hat den jeweiligen Coworker an seinem Day Off abgelöst. Die Hausmutter hat die Aufgabe
das Haus zu organisieren.

Die Coworker kommen aus aller Welt, aber insbesondere aus Deutschland. „Richtiges“ irischen Englisch hab ich keins gelernt, weil einfach keiner da war, mit dem man das sprechen konnte (mal von meinem Kind abgesehen). Dafür gabs jede Menge Schulenglisch, was zum richtigen Lernen natürlich nicht sooo gut ist. Anderen Dienst im Ausland hat nur noch ein anderer Coworker gemacht, der Rest hat das ganze als ein Art „Orientierungsjahr“ eingeschoben. Dementsprechend waren die meisten Coworker Coworkerinnen.

Ich hatte zwei Kinder in meinem „Dormitory“, wenn auch nicht die ganze Zeit. Angefangen habe ich mit nur einem Kind, ab den Herbstferein kam dann ein zweites mit dazu. Ab Ostern hatte ich dann nur noch das zweite zu betreuen. Das erste Kind war 17, auch wenn man das nicht gesehen hat, und teilweise auf einer Seite gelähmt. Das andere war hyperaktiv und damit das totale Gegenteil. Die anderen Kinder in unserem Haus waren fast genauso unterschiedlich.

Arbeitszeiten

Hier mal ein Tagesablauf von mir, aus der Zeit, wo ich zwei Kinder zu versorgen hatte:

Uhrzeit Aktivität
06:55 Uhr Aufstehen.
07:15 Uhr Ein Kind wecken, waschen, Windeln wechseln, anziehen. Dazwischen: das andere wecken.
07:45 Uhr Morning circle: ein Spruch wird zusammen gesagt und „Guten Morgen“ gewünscht. Danach Frühstück.
08:30 Uhr Ein Kind die Zähne putzen, das andere dazu überreden…
09:00 Uhr Kinder in die Schule, dann eine Stunde ausruhen.
10:00 Uhr Selbst in die Schule.
12:30 Uhr Kinder aus der Schule abholen.
13:00 Uhr Mittagessen.
14:00 Uhr Zähneputzen, Windeln wechseln, Mittagsschlaf für die Kids.
14:30 Uhr Schule.
16:00 Uhr Schule aus, Kids versorgen, was mit den Kids unternehmen.
18:00 Uhr Eveningcircle, danach Abendbrot.
19:00 Uhr Erste Kind ins Bett (Ausziehen, waschen, Windeln).
20:00 Uhr Andere Kind ins Bett bringen.
20:30 Uhr Fertig.

Außerdem hatte man noch Aufgaben im Haus zu erledigen (Zusammen mit einem Kind Essen machen, Putzen, Waschen). Am Samstag Vormittag war Haus putzen angesagt und am Sonntag Kirche.

Geld

Als Taschengeld hab ich jeden Monat 100 Pfund bekommen (etwa 150 Euro) und noch 450 Pfund Reisegeld, weil ich ein Jahr da war.