Fazit

Im Camphill lernt man ein ganz anders Leben kennen. Man lernt für jemanden anderes da zu sein und sich auf ihn einzustellen. Die Einstellung zu den Behinderten ist nach wenigen Tagen eine komplett andere: Vorher sieht man nur die Behinderung, jetzt aber all das, was diesen Menschen auch noch ausmacht. Alle seine Eigenheiten, von den weniger schönen bis zu den echt netten.

Am Ende meiner Zeit war ich dann aber echt froh wieder aus dem Camp rauszukommen. Daran war unter anderem mein Kind schuld, der am letzten Tags seinen größten Ausraster bekommen hat, aber auch das, was ich unter Probleme und Frust geschildert habe.

Wieder zu Hause…

Die Umstellung danach ist gewaltig: Aus dem bis ins letzte geregelten Arbeitstag, der immer gleich ist, in die Problemchen, die mit einem Studium anstehen. Vorher hat man alles vorgesetzt bekommen, vom Essen angefangen, bis zu wie man nach seinen Dormitories schauen soll, jetzt darf man wieder alles selber machen. Die Probleme sind plötzlich ganz andere und vor allem wieder die eigenen.

In der Zeit danach (3 Monate nachdem ich wieder zu Hause war) habe ich mich etwas zum Camphill zurücksehnt. Einfach nur tun, was einem vorgesetzt wird ist manchmal eben doch das einfachste. Außerdem sind die meisten negativen Erfahrungen etwas in den Hintergrund getreten, die positiven Erinnerungen mehr in den Vordergrund.

Letztendlich kann ich aber sagen, das sich das ganze echt gelohnt hat. Die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe hatte ich sicher nicht im normalen Zivildienst gemacht.

Ein Jahr später…

Im Sommer 2002 bin ich zusammen mit zwei anderen ehemaligen Coworkerinnen „zu Besuch“ nochmals für eine Woche ins Camphill gefahren. Der Unterschied war gewaltig: Die ganze Umgebung ist zwar noch die selbe und ich hab mich fast wie „zu Hause“ gefühlt, aber dennoch ist fast alles ganz anders: die Kids haben sich weiterentwickelt und die ganze Verantwortung obliegt jetzt anderen Coworkern und man selbst ist nicht mehr Teil des Ganzen.

Trotzdem war es schön die Kids nochmal zu sehen und vergleichen zu können, wie sie sich verändert haben. Auch hat man das Camphill und die ganzen Abläufe von außerhalb betrachten zu können, als Besucher und nicht als Coworker, was ich ziemlich interessant fand.

Mit einem Jahr Abstand sehe ich das Camphill selbst mittlerweile nicht mehr so negativ an, wie während des Jahres oder kurz danach. Insbesondere die negativen Erfahrungen, dass ich auch bei dem ganzen Frust durchgehalten habe, haben mir viel gebracht. Zwar hat das Camphill Jahr nicht viel daran geändert, dass ich „Wirtschaft“ studieren will, aber ich merke, dass viele meiner früheren Ansichten sich geändert haben und ich heute Prioritäten anders setze.

Schön ist auch, das ich dort Leute kennengelernt hab, die trotz heftigem Piesacken immer noch mit mir in den Urlaub fahren oder sich zum „Gossipen“ treffen. :)